Das Erdmandelgras ist ein schwer bekämpfbares Problemunkraut, dass sich im Rheintal weiter ausbreitet. Das konkurrenzstarke Sauergras führt zu erheblichen Ertragsausfällen im Acker- und Gemüsebau. Die wärmeliebende Pflanze vermehrt sich fast ausschliesslich vegetativ über die namensgebenden Erdmandeln. Hat sich das Erdmandelgras einmal auf einer Fläche etabliert, sind grosse Anstrengungen nötig, um den Ertragsverlust zu begrenzen. Die vollständige Bekämpfung ist heute nur schwer möglich. Deshalb gilt es eine Einschleppung auf befallsfreie Flächen mit allen Mitteln zu verhindern.
Erkennungsmerkmale

Biologie
Erdmandelgras zählt zu den Sauergräsern und gehört zu den C4-Pflanzen. Die wärmebedürftige Pflanze keimt im Frühjahr (April/Mai) aus den Erdmandeln aus. Durch die hohen Nährstoffreserven in den Erdmandeln sind junge Erdmandelpflanzen sehr konkurrenzstark. Erdmandelgras besitzt eine dicke Wachsschicht auf den Blättern wodurch die chemische Bekämpfung mit Herbiziden erschwert wird. Sobald das 5-Blattstadium erreicht ist beginnt die Pflanze mit der Produktion von neuen Knöllchen. Pro Pflanze werden bis zu neue 700 Knöllchen pro Jahr gebildet. Dadurch besitzt das Erdmandelgras eine starkes vegetatives Vermehrungspotential. Die Vermehrung über die Samen ist ebenfalls möglich, in der Schweiz dominiert jedoch klar die vegetative Vermehrung über die Knöllchen.
Bekämpfung
Herbizide haben nur eine ungenügende Wirkung gegen das Erdmandelgras. Die wichtigste Bekämpfungsmassnahme ist die Verhinderung der Verschleppung auf neue Parzellen. Die Verschleppung findet vorwiegend durch Erdanhang an Bodenbearbeitungsmaschinen statt. Ist eine Fläche befallen, gilt es die Bildung von neuen Knöllchen unter allen Umständen zu vermeiden.
Verschleppung
- Eintrag von Erdmandelknöllchen durch anhaftende Erde an Maschinen
- Eintrag durch Baumassnahmen und Bodenverbesserung (Materialherkunft kritisch prüfen)
- Eintrag durch Betriebsfremde Dünge und Betriebsmittel (Mist, Stroh, mangelhaft kompostierte Abfälle)
- Verbreitung innerhalb der Parzelle durch Bodenbearbeitung
- Verbreitung durch Samen aus der Nachbarparzellen (spielt eine untergeordnete Rolle)
Kein Befall
Ziel: Vermeidung des Eintrags von Erdmandelgras
- Sicherstellen, dass eigene und betriebsfremde Maschinen nicht vorgängig auf Erdmandelgras befallenen Flächen eingesetzt bzw. vor dem Einsatz gründlich gereinigt worden sind.
- Regelmässige Kontrolle im Mai/Juni auf Erstbefall mit Erdmandelgras in konkurrenzschwachen Kulturen
- Informationsaustausch mit Lohnunternehmen, Maschinengemeinschaften, Bau- und Meliorationsunternehmen über den Erdmandelgrasstatus der Fläche
Bekämpfungsstrategien
Erstbefall
Ziel: Den Befall tilgen
Der Erstbefall tritt in der Regel nesterweise auf.
- Ausgraben der Erdmandelgraspflanzen und Entsorgung über den Kehrricht
- Ausbaggern oder dämpfen der Teilfläche prüfen
- Befallene Fläche markieren (z.B. Stecken im Feld, Befall im GPS-System einpflegen oder auf dem Parzellenblatt erfassen)
- Befallene Fläche am Ende bearbeiten und die Maschine anschliessend gründlich waschen
- Anbau von Mais zur gezielten Bekämpfung von Erdmandelgras
- Ausscheidung der befallenen Teilfläche als Schwarzbrache falls Konkurrenzschwache Kulturen geplant sind
Flächiger Befall
Ziel: Die Ausbreitung und den Ertragsverlust minimieren
- Verhinderung der Blüte
- Verhinderung der Bildung neuer Knöllchen. Daher sollten ab dem 5-Blattstadium chemische oder mechanische Massnahmen erfolgen
- Vermeidung des Anbaus von konkurrennzschwachen Kulturen mit offenem Boden zwischen Mai und September (z.B. Kartoffeln, Zuckerrüben, lückigen Kunstwiesen und weiteren)
- Unterdrückung und Bekämpfung über koordinierte Massnahmen innerhalb der Fruchtfolge, einzelne Massnahmen wie z.B. der Anbau von Mais reduzieren den Erdmandelgrasdruck nicht nachhaltig
Bekämpfungsmassnahmen in Mais
Mais
Spalte 1 | Spalte 2 | Spalte 3 |
---|---|---|
Zeitpunkt | Chemische Massnahme | Mechanische Massnahme |
Vorsaat | Glyphosate in voller Aufwandmenge | flächige Bodenbearbeitung |
Vorauflauf | Dimethenamid-P (z.B. Frontier, Looper, ...) 1,4 l/ha sonderbewilligungspflichtig | |
Nachauflauf bis 3 Blattstadium | Dimethenamid-P 1,4 l/ha | hacken |
Nachauflauf bis 4 Blattstadium | Mesotrione (z.B. Callisto) + Bentazon (z.B. Basagran) | hacken |
Nachauflauf bis 6 Blattstadium | Formasulfuron+ Thiencarbazone (z.B. Equip Power 1.5 l/ha) | hacken |
Nachauflauf bis 8 Blattstadium | Mesotrione (z.B. Callisto 1l/ha) | hacken |
Nachauflauf bis 8 Blattstadium | Mesotrione (z.B. Callisto) + Pyridate (z.B. Lentagran) | hacken |
Schwarzbrache
Die Schwarzbrache stellt eine Möglichkeit dar, durch die der Erdmandelgrasdruck auf einer Fläche mittels intensiver Bodenbearbeitung gesenkt werden kann. Die Sanierung einer mit Erdmandelgras befallenen Fläche durch Schwarzbrache ist nach Art. 16 Abs. 4 LBV (SR 910.91) geregelt. Für die Beantragung einer Schwarzbrache ist folgender Antrag ausgefüllt an pflanzenschutz@sg.ch zu senden:

Hannes van den Brink
Ackerbauberatung
Fachstelle Ackerbau
Landwirtschaftliches Zentrum SG
Rheinhofstrasse 11
9465 Salez

Vivienne Oggier
Fachstelle Gemüsebau
Landwirtschaftliches Zentrum SG
Rheinhofstrasse 11
9465 Salez

Johannes Brunner
Ackerbauberatung
Fachstelle Ackerbau
Landwirtschaftliches Zentrum SG
Rheinhofstrasse 11
9465 Salez